Herzlich Willkommen zu meiner neuen Serie „Pferdefotografie Tipps für Anfänger“! Ich möchte euch in dieser 4-teiligen Blogserie einige Tipps mit auf den Weg geben, die ihr für den Start in der Pferdefotografie benötigt.
Die Serie ist in 4 Teile geclustert:
Part 1: Technik Grundlagen
Part 2: Das Auge schulen
Part 3: Pferde verstehen
Part 4: Vom Hobby zum Nebenerwerb
I. Deine Ausrüstung
Bei der Kamera hast du die Wahl zwischen DSLR (klassische Spiegelreflex-Kameras) und den neueren, spiegellosen Kameras. Bei Neuanschaffung rate ich dir zu einer spiegellosen Kamera, da DSLR nicht mehr produziert und Objektive hierfür ebenfalls nicht mehr entwickelt werden.
Spiegellose Kameras haben außerdem einen großen Anfänger-Vorteil: Du siehst direkt im Bildschirm der Kamera, wie dein fertiges Bild rauskommt. So kannst du dich bequem in die Kameraeinstellungen einarbeiten und siehst noch vor dem Abdrücken des Auslösers, ob dein Bild korrekt belichtet ist.
Worauf du beim Kauf achten solltest:
- Schneller, kontinuierlicher Autofokus – Pferde bewegen sich schnell, ein träger AF bedeutet unscharfe Bilder
- Serienbildfunktion – damit du den entscheidenden Moment nicht verpasst
- Gute ISO-Leistung – für Stallaufnahmen oder schlechtes Licht bspw. in Hallen
Welche Marke oder welches Modell es werden soll, ist ganz typ-abhängig. Ich habe bereits mit Nikon, Canon und Fuji fotografiert und finde Nikon am benutzerfreundlichsten. Geh hierzu aber am Besten in ein Fachgeschäft (zB Calumet) und nimm die Kameras in die Hand! Beispiele, die du dir anschauen kannst: Canon EOS R50, Nikon Z50 II, Sony A6400 oder eine Fujifilm X-M5.
Viel wichtiger als die Kamera ist aber das richtige Objektiv: Darin liegt die tatsächliche Power und die Wahl des passenden Objektivs ist vor allem für die Pferdefotografie essentiell. Da eine Brennweite im Tele-Bereich (Mehr zur Brennweite erfährst du weiter unten) für Pferde besser geeignet ist, suche dir nach Objektiven ab 70mm. Ein guter Allrounder ist bspw. ein 70-200mm f2.8; aber auch sehr kostspielig. Festbrennweiten (keine Zoommöglichkeit) sind günstiger und hier fährst du zum Beispiel mit einem 85mm oder 135mm Objektiv perfekt.
Tipp: Starte mit dem, was du hast – auch mit dem Handy. Der wichtigste Schritt ist der erste.
Neben der Brennweite, welches die mm-Zahl angibt, ist auch die Zahl hinter dem f eines Objektivs sehr wichtig: Diese regelt die Blendenöffnung, welche maximal möglich ist. Blende wird ebenfalls später erklärt und beschreibt, wie viel Licht in deine Kamera kommt und wie unscharf der Hintergrund des Motivs wird. Je kleiner die Zahl, desto besser! Ich würde dir raten, nach Objektiven mit mindestens Blende f4 und kleiner zu schauen.
Ebenfalls wichtig ist deine Speicherkarte: Je schneller, desto besser! Hast du eine schnelle Kamera, deine Speicherkarte kann aber gar nicht so viel Bilder verarbeiten, ist deine Kamera leider trotzdem langsam. Schau im Handbuch, welchen Speicherkartentyp deine Kamera benötigt und such dir hier eine Karte mit viel Lese- und Schreibgeschwindigkeit raus.
Solltest du mal einen ganzen Tag fotografieren, lohnt sich auch ein Ersatzakku. Und nicht zu vergessen: Stabiles Schuhwerk und Klamotten, die dreckig werden können 🙂
II. RAW vs. JPG – was heißt das eigentlich?
Deine Kamera speichert Fotos standardmäßig als JPG. Das ist praktisch, hat aber einen Haken: Die Kamera entscheidet dabei selbst, wie das Bild aussieht – und wirft einen Großteil der aufgenommenen Bildinformation einfach weg.
RAW ist das Gegenteil davon. Es ist das unbearbeitete, unkomprimierte „Rohmaterial“ deines Sensors – mit allen Informationen, die er eingefangen hat.
Was das in der Praxis bedeutet:
| JPG | RAW | |
|---|---|---|
| Dateigröße | Klein | Groß |
| Bearbeitungsspielraum | Wenig | Sehr viel |
| Belichtungsfehler korrigierbar | Kaum | Bis zu 2–3 Blenden |
| Weißabgleich änderbar | Eingeschränkt | Vollständig |
| Direkt verwendbar | Ja | Nein (Bearbeitung nötig) |
Gerade als Anfänger passieren Belichtungsfehler – das Bild ist zu hell, zu dunkel, der Weißabgleich stimmt nicht. Mit RAW kannst du das in der Nachbearbeitung retten, mit jpg eher nicht.
Für RAW Dateien brauchst du immer ein entsprechendes Programm, welches diese in JPG Dateien exportiert/umwandelt – möchtest du also erstmal keine Software für Bildbearbeitung verwenden, dann fotografiere in JPG.
III. Das Belichtungsdreieck: Blende, Belichtungszeit und ISO
Diese drei Werte bestimmen, wie dein Bild belichtet wird – und jeder hat zusätzlich einen gestalterischen Effekt. Bei der Pferdefotografie kommt es besonders auf ihr Zusammenspiel an.
1. Belichtungszeit – das Wichtigste bei Pferden
Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Sensor Licht aufnimmt. Kurze Zeit = eingefrorene Bewegung. Lange Zeit = Bewegungsunschärfe. Der angegebene Wert sind dabei Sekunden. Je höher die Zahl, desto kürzer die Zeit.
Bei Pferden gilt: Kurze Belichtungszeiten sind dein Freund.
- Stehendes Pferd: ab 1/500 s
- Schritt/Trab: mindestens 1/800 s
- Galopp oder Sprung: 1/1000 s bis 1/2000 s
Längere Belichtungszeiten können irgendwann als Stilmittel verwendet werden – für den Anfang empfiehlt es sich aber, diese eher kurz zu halten um auf der sicheren Seite zu sein. Die Belichtungszeit kannst du ganz einfach mit Pferden in Bewegung austesten: Stelle sie einmal auf 1/50s, dann auf 1/200s und dann auf 1/1000 und du merkst bei einem galoppierenden Pferd sofort den Unterschied.
2. Blende – Schärfe und Tiefenunschärfe
Die Blende regelt, wie viel Licht ins Objektiv fällt – und wie groß der scharf abgebildete Bereich ist (Schärfentiefe), aka wie unscharf dein Hintergrund ist.
- Offene Blende (z. B. f/2.8 oder f/4): Wenig Schärfentiefe, schöner unscharfer Hintergrund (Bokeh). Ideal für Porträts und Detailaufnahmen.
- Geschlossene Blende (z. B. f/8): Mehr Schärfentiefe, mehr vom Bild ist scharf. Gut für Fotos mit Pferd & Reiter zusammen scharf.
Ich persönlich nutze niemals eine geschlossenere Blende als f4.5 – auch nicht bei Bewegungs- oder Reitbildern. Für mich ist die Hintergrundunschärfe ein tolles Stilmittel, welches das Pferd perfekt abhebt.
Doch Vorsicht bei einer zu offenen Blende: Wenn Pferd & Mensch nicht gleich auf einer Höhe liegen, ist eins von beiden unscharf.
3. ISO – das Licht-Verstärker
ISO bestimmt, wie lichtempfindlich dein Sensor ist. Hohe ISO = mehr Helligkeit, aber auch mehr Bildrauschen (körniges Bild).
Faustregel:
- Draußen bei Sonne: ISO 100–400
- Bewölkter Tag oder Schatten: ISO 400–1600
- Stall oder Abendlicht: ISO 1600–6400 (je nach Kamera)
Modernes RAW-Editing kann Rauschen gut reduzieren – also lieber ein leicht rauschendes, scharfes Bild als ein verwackeltes, weil du ISO zu niedrig gehalten hast.
IV. Serienbilder & Autofokus
Pferde bewegen sich schnell und der perfekte Moment dauert oft nur eine Zehntelsekunde. Genau dafür gibt es den Serienbildmodus: Statt eines einzelnen Fotos pro Auslöserdruck schießt die Kamera mehrere Bilder hintereinander, solange du den Auslöser gedrückt hältst. So erhöhst du die Chance enorm, die richtige Phase zu erwischen!
Den Serienbildmodus findest du je nach Kamera über ein Rad oder Menü, oft mit einem Symbol aus mehreren übereinanderliegenden Rechtecken.
Wichtig: Das bedeutet nicht einfach draufhalten und hoffen. Mit der Zeit lernst du, kurze gezielte Serien zum richtigen Moment zu schießen – das spart Speicherplatz und macht die Nachbearbeitung überschaubarer.
Genauso wichtig ist der richtige Autofokus-Modus. Stelle deine Kamera auf kontinuierlichen Autofokus um – bei Canon heißt das AI Servo, bei Sony, Nikon und Fujifilm AF-C. Das bedeutet: Die Kamera fokussiert ständig nach, solange du den Auslöser halb gedrückt hältst. Ideal für bewegte Motive.
Viele neuere Kameras haben außerdem einen Tier-Augen-AF, der das Auge des Pferdes automatisch erkennt und verfolgt. Dieser funktioniert tatsächlich beeindruckend zuverlässig und ist besonders für Einsteiger ein echter Gamechanger.
Welches überhaupt die richtigen Phasen in der Bewegung eines Pferdes sind, was ein gutes Bild ausmacht und was eigentlich dieser goldene Schnitt ist, erfährst du im nächsten Blogbeitrag.
Du hast noch Fragen zur Fotografie? Dann schreib‘ mir gern jederzeit eine E-Mail und ich helfe dir weiter! Oder schau mal in meinem Shop für Fotografen vorbei, dort gibt es bestimmt das passende Produkt für deinen Bedarf.
Alles Liebe,
Julia


